• Familienfest

Deutschland 2015
Regie: Lars Kraume
mit Günther Maria Halmer, Hannelore Elsner, Michaela May, Lars Eidinger,
101 Min., FSK 12
Kinostart: Psychoanalytiker kommentieren | 25. Juni

Der Patriarch und seine Kinder – eine Geschichte von Zerwürfnissen und Missverständnissen, von Geduld und Gewalt. Doch im Grunde geht es allen um die Suche nach Liebe und Anerkennung. Zum 70. Geburtstag eines berühmten Pianisten wird seine Villa zum Schauplatz der Aufarbeitung familiärer Probleme.

Familie Westhoff ist geradezu typisch für das deutsche Großbürgertum, wie man es aus dem Fernsehen kennt. Der erfolgsverwöhnte, im Geld schwimmende Vater Hannes ist ein Patriarch wie aus dem Bilderbuch, und seine drei Söhne haben jeweils ihr Päcklein zu tragen: Frederik ist schwul, Gregor pleite, und Max ist todkrank. Ihre Mutter Renate, schon lange von Hannes Westhoff geschieden, ist eine trinkfeste Romanautorin, und die zweite Ehefrau Anne ist eine Glucke, die sich der häuslichen Harmonie verschrieben hat. So oder ähnlich sieht es also bei den Reichen und Schönen aus, man kennt das ja: Geld macht nicht glücklich, es verdirbt den Charakter, und die Kinder aus solchen Familien werden durch zu viel Geld und Mangel an Liebe zu unglücklichen, lebensuntauglichen Erwachsenen, die ihr Leben lang nach Anerkennung heischen. Auf den ersten Blick also ist die Geschichte eine der üblichen, klischeebeladenen Fernsehstorys, in denen der Hartz IV-Empfänger deutlich erkennen kann, wie gut es ihm geht, weil er kein Geld hat.

Auf den zweiten Blick bietet das Drehbuch dann doch einige originelle Wendungen, die vor allem mit Max und seiner Krankheit zu tun haben. Er nimmt aus der Klinik, wo er wegen eines Unfalls auf dem Weg zu Papas Geburtstag landet, kurzerhand eine Krankenschwester mit – Jenny. Da sie von außen kommt, blickt sie unvoreingenommen auf das familiäre Desaster und wird bald zu einer wichtigen Figur. Sie ist die einzige, die von Max‘ Krankheit weiß und ihm Hilfe leistet. Jördis Triebel spielt die lebenskluge, junge Frau, die nicht nur vernünftig ist, sondern auch extrem gut zuhören kann, mit sehr viel Zurückhaltung und geradlinigem Charme. Schließlich ist sie es, die am Ende gemeinsam mit Max‘ Stiefmutter Anne die Fäden in der Hand hält.

Atlantis