Helden der Wahrscheinlichkeit

Dänemark 2020
Regie: Anders Thomas Jensen
mit Mads Mikkelsen, Nikolaj Lie Kaas, Nicolas Bro
Dauer: 116 Min.
Irre schwarze Komödie über einen Trupp von Freaks und Nerds auf Rachefeldzug gegen eine Bikergang.

Anders Thomas Jensen dreht Komödien, die weh tun. Das trifft auf seine ganz frühen Arbeiten als Autor und Regisseur zu, auf moderne Klassiker wie "Dänische Delikatessen" oder "Adams Äpfel", die den längst sagenhaften Ruf der kleinen dänischen Filmindustrie mitbegründen. Das trifft zu auf sein Regiecomeback "Men & Chicken" nach mehrjähriger Pause.

Und es trifft zu auf seine brandneue Arbeit, die gerade als Eröffnungsfilm des Filmfestivals von Rotterdam erstmals international präsentiert wurde. Wieder ist es einer dieser wütend-liebevollen Einblicke in die unglaublich fragile Psyche des modernen Mannes, der maßlos überfordert ist von den Ansprüchen, die er stellt an sich, sein Selbstbild und an andere: Am liebsten würde man sie in die Arme nehmen und trösten, die so liebenswert gezeichneten, schrulligen Figuren in Jensens Filmen, wenn man nur nicht Gefahr liefe, Opfer einer der Gewaltexplosionen zu werden, die unter der Oberfläche schlummern in diesen unerhörten Filmen, die immer dann am lustigsten sind, wenn sie Dinge zeigen, bei denen einem eigentlich das Lachen im Hals stecken bleiben müsste.

Wie in allen Filmen des Regisseurs spielt Mads Mikkelsen die Hauptrolle, quasi im Schulterschluss mit "Der Rausch", noch so ein Psychogramm geschundener Männerseelen, aber doch nicht so krass wie hier, wo einfache Männer ihre Bestimmung darin finden, einen Rachefeldzug gegen eine berüchtigte Bikergang, die Riders of Justice, vom Zaun zu brechen. Womöglich - ganz sicher kann man nicht sein - haben die Riders einen Zug zum Entgleisen gebracht, in dem sich ein Kronzeuge in einem Prozess gegen sie befand - und dadurch auch die Frau des Irakkriegsveteranen Markus getötet, der mit stoischer Schweigsamkeit explodiert, wenn er sich mit Situationen konfrontiert sieht, die eine vermutete Bedrohung darstellen. Dem Freund seiner entsetzten Tochter versetzt er ebenso eine schallende Ohrfeige, wie er einem der Verdächtigen des Mordkomplotts das Genick bricht, weil der ihm blöd kommt. Hinterher ist keiner bestürzter über sein Verhalten als er: "Es tut mir leid, das war ein Fehler", stößt er hervor.